Autor: Hannes Schnur

Was passiert mit den tausenden Dingen die du – vor allem seit der Coronapandemie – online kaufst und doch wieder zurückschickst?
Hannes Schnur hat sich die aktuelle Situation im Bereich Retourenpakete angesehen und überlegt seither zwei mal ob er sich seine Artikel schicken lässt…

 

Eigentlich wollte ich ja einen Blogbeitrag schreiben über die Risiken beim Onlineshoppen, über Kostenfallen, Fakeshops, Gütesiegel, Rücktrittsrecht und so weiter. Mach ich auch sicher noch. Aber mir brennt gerade ein Thema unter den Nägeln, und dazu muss jetzt was in die Tastatur:
Greenpeace hat es veröffentlicht und der ORF hat es aufgegriffen: im Onlinehandel wurde im Jahr 2020 sage und schreibe 1.400.000 Retourenpakete VERNICHTET!

Im Jahr 2021 wurden von rund 139 Millionen Paketen, die an österreichische Privathaushalte versendet worden sind, 46 Millionen Pakete wieder zurückgeschickt. Und davon wurde nur ein Teil wieder in den Verkaufsprozess reintegriert.

Was hat also der oder die KäuferIn gemacht?

Du hast Ware bei Onlinehändlern bestellt.
Die Ware wurde, meist in Lastwagen, von den Großlagern zu dir vor Ort transportiert.
Du hast einen Teil der Ware, weil nicht passend, zu grün oder zu blau, weil eigentlich doch unnötig oder nicht mehr trendy oder warum auch immer, wieder an den Händler zurückgeschickt.
Meist kostenlos, zumindest für die KundInnen. 14 Tage lang erlaubt ja das Konsumentenrecht, Ware im Falle des Onlinkaufs ohne Angabe von Gründen an den Lieferanten zurückzuschicken. Dorthin wird die Ware – meist wieder auf dem Straßenweg –  transportiert.
Nun könntest du meinen, na, dann verkauft der Händler die Ware eben erneut, notfalls rabattiert, als zweite Wahl oder Aktionsware. Bei den meisten Gütern wie Kleidung, Elektronik, Haushaltsartikel, Bücher, also bei allem, was durch das einmalige Auspacken nicht beeinträchtigt wurde, wäre das ja durchaus möglich.

Weit gefehlt – es „lohnt“ sich einfach für den Händler in vielen Fällen nicht, retounierte Ware wieder zu verkaufen.

Wiedereinlagerung, neuerlicher Transport, erneute Bewerbung des Produkts,  Einbuchung in die Verkaufslogistik, etc. – das alles führt dazu, dass zurückgegebene Artikel nicht mehr in den Verkauf kommen.
Und daher wird die weit gereiste Ware, die keinen Käufer gefunden hat, einfach – WEGGEWORFEN.
Und zwar in Riesenmengen!

Dabei gehen nicht nur die Produkte selbst verloren, sondern auch Rohstoffe, technisch hochwertige Komponenten, die für die Produktion eingesetzte Energie, die Transportkosten – ganz zu schweigen von der Sinnhaftigkeit des (umweltbelastenden) Transports.
Und nicht zuletzt verlieren wir auch die gesamte Arbeitsleistung all derer, die sich in der Produktion mit der Herstellung der nun in der Müllverbrennung finalisierten Güter abgeschunden haben.

Ich kenne ein Wort dafür – das Wort heißt „pervers“. Und mich regt diese Geschichte maßlos auf.
Zumal ich in meiner Ahnungs- und Gedankenlosigkeit selbst schon von der ach so tollen Rücksendemöglichkeit im Onlinehandel Gebrauch gemacht habe. Zwar nur in absoluten Ausnahmefällen, aber immerhin.

Jetzt weiß ich es besser.

Und ich werde mir in Zukunft noch mehr als bisher überlegen, ob ich diesen oder jenen Artikel wirklich brauche.
Ob ich nicht doch warten kann, bis ihn der ortsansässige Händler (nach dem x-ten Lockdown) im Geschäft lagernd hat.
Ob ich mir nicht doch erst dann die Zeit nehmen kann, vor Ort einen Kauf zu tätigen, den ich – so oder so – nicht zu bereuen brauche.

 

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